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Digitalisierung

Digitalisierungs-Reifegrad ermitteln: So finden KMU ihren Status quo

28. Dezember 2025
8 min Lesezeit
Jonas Höttler

Digitalisierungs-Reifegrad: Wissen, wo Sie wirklich stehen

"Wir sind schon ganz gut digitalisiert" – diesen Satz höre ich oft. Und ebenso oft zeigt sich bei genauerer Betrachtung: Die Selbsteinschätzung weicht erheblich von der Realität ab.

Das ist kein Vorwurf. Digitalisierung ist komplex, und ohne systematische Analyse ist es schwer, den eigenen Stand objektiv zu bewerten.

Warum Selbsteinschätzung nicht reicht

Typische Fehleinschätzungen:

  • "Wir haben ein CRM" = digitalisiert? (Nein, wenn es niemand nutzt)
  • "Alle haben Laptops" = digital ready? (Nein, wenn Prozesse analog bleiben)
  • "Wir nutzen Cloud-Software" = transformiert? (Nein, wenn Daten in Silos liegen)

Die Wahrheit ist: Digitalisierung ist kein binärer Zustand. Es gibt Grade, Dimensionen und Abhängigkeiten.

Die 5 Dimensionen des Digitalisierungs-Reifegrads

Ein aussagekräftiges Assessment betrachtet mindestens diese fünf Bereiche:

1. Strategie & Führung

Fragen zur Selbstprüfung:

  • Gibt es eine dokumentierte Digitalstrategie?
  • Ist Digitalisierung Chefsache oder delegiert?
  • Werden Investitionen strategisch oder reaktiv getätigt?
  • Gibt es klare KPIs für digitale Initiativen?

Typische Reifegrade:

  • Stufe 1: Keine explizite Strategie, Ad-hoc-Entscheidungen
  • Stufe 3: Dokumentierte Strategie, aber wenig Umsetzung
  • Stufe 5: Integrierte Digitalstrategie mit messbaren Zielen

2. Prozesse & Workflows

Fragen zur Selbstprüfung:

  • Wie viele Kernprozesse laufen noch papierbasiert?
  • Sind Prozesse dokumentiert und standardisiert?
  • Gibt es Medienbrüche (z.B. PDF ausdrucken, unterschreiben, einscannen)?
  • Wie hoch ist der manuelle Aufwand für Routineaufgaben?

Warum das wichtig ist: Digitale Tools auf analoge Prozesse zu legen ist wie ein Elektroauto mit Benzin betanken zu wollen. Es funktioniert nicht.

Tipp: Mit unserem Prozesskosten-Analyzer können Sie die wahren Kosten Ihrer Prozesse berechnen – inklusive versteckter Kosten durch Ineffizienzen.

3. Technologie & Infrastruktur

Fragen zur Selbstprüfung:

  • Wie alt ist Ihre Kernsoftware (ERP, CRM, etc.)?
  • Können Systeme miteinander kommunizieren (APIs)?
  • Wie ist die IT-Sicherheit aufgestellt?
  • Gibt es eine Cloud-Strategie?

Warnsignale:

  • Software älter als 10 Jahre ohne Updates
  • Daten werden manuell zwischen Systemen übertragen
  • Kein Backup- und Recovery-Konzept
  • Schatten-IT (Mitarbeiter nutzen eigene Tools)

4. Menschen & Kompetenzen

Fragen zur Selbstprüfung:

  • Wie digital-affin ist die Belegschaft?
  • Gibt es regelmäßige Schulungen zu digitalen Tools?
  • Wie ist die Einstellung gegenüber Veränderung?
  • Gibt es Digital-Champions in den Abteilungen?

Die unbequeme Wahrheit: Die beste Technologie nützt nichts, wenn Mitarbeiter sie nicht nutzen können oder wollen. Kompetenzaufbau ist keine Option, sondern Pflicht.

5. Kultur & Innovation

Fragen zur Selbstprüfung:

  • Werden neue Ideen gefördert oder gebremst?
  • Wie wird mit Fehlern umgegangen?
  • Gibt es Zeit und Budget für Experimente?
  • Wie schnell werden Entscheidungen getroffen?

Ein Indikator: Wenn die Antwort auf "Warum machen wir das so?" regelmäßig "Das haben wir schon immer so gemacht" ist, gibt es kulturellen Nachholbedarf.

Die Reifegrad-Stufen im Überblick

StufeBezeichnungCharakteristik
1InitialKeine systematische Digitalisierung, reaktives Handeln
2EntwickelndErste Initiativen, aber unkoordiniert
3DefiniertStrategie vorhanden, Umsetzung läuft
4GesteuertMessbare Fortschritte, kontinuierliche Verbesserung
5OptimierendDigitalisierung als Wettbewerbsvorteil, Innovation

Realität im deutschen Mittelstand: Die meisten KMU befinden sich zwischen Stufe 2 und 3. Das ist kein Versagen – es zeigt, dass Potenzial vorhanden ist.

Von der Analyse zur Aktion

Ein Reifegrad-Assessment ist nur der erste Schritt. Entscheidend ist, was danach kommt:

Schritt 1: Gaps identifizieren

Wo ist die größte Differenz zwischen Ist und Soll? Das sind Ihre Prioritäten.

Schritt 2: Quick Wins finden

Welche Verbesserungen sind mit geringem Aufwand möglich? Starten Sie dort.

Schritt 3: Roadmap erstellen

Was muss mittel- und langfristig passieren? Planen Sie realistisch.

Schritt 4: Ressourcen sichern

Budget, Personal, Zeit – ohne Ressourcen bleibt es bei der Analyse.

Nächster Schritt: Prüfen Sie mit unserem Automatisierungs-Check, welche Ihrer Prozesse sich für eine Automatisierung eignen.

Häufige Fehler bei der Reifegrad-Analyse

Fehler 1: Nur Technologie bewerten

Digitalisierung ist zu 30% Technologie und zu 70% Menschen und Prozesse.

Fehler 2: Einmalig statt kontinuierlich

Der Reifegrad ist eine Momentaufnahme. Wiederholen Sie die Analyse jährlich.

Fehler 3: Vergleich mit falschen Benchmarks

Vergleichen Sie sich mit Ihrer Branche, nicht mit Tech-Startups.

Fehler 4: Analyse ohne Konsequenz

Eine schöne Präsentation bringt nichts, wenn keine Maßnahmen folgen.

Ihr kostenloser Reifegrad-Check

Wir haben ein kostenloses Tool entwickelt, mit dem Sie Ihren Digitalisierungs-Reifegrad in wenigen Minuten ermitteln können:

Was Sie erhalten:

  • Bewertung in allen 5 Dimensionen
  • Vergleich mit Branchendurchschnitt
  • Konkrete Handlungsempfehlungen
  • Priorisierte Maßnahmenliste

Jetzt Digitalisierungs-Reifegrad ermitteln

Fazit: Ehrlichkeit ist der erste Schritt

Sich einzugestehen, dass man nicht so weit ist wie gedacht, ist unbequem. Aber nur wer seinen tatsächlichen Standort kennt, kann den richtigen Weg planen.

Die gute Nachricht: Jedes Unternehmen kann seinen Reifegrad verbessern. Es braucht keine Revolution – kontinuierliche, gezielte Schritte führen zum Ziel.


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