Warum 70% der KI-Projekte scheitern – und wie du es besser machst
Zurück zum Blog
KI & Automatisierung

Warum 70% der KI-Projekte scheitern – und wie du es besser machst

21. Januar 2026
12 min Lesezeit
Jonas Höttler

Warum 70% der KI-Projekte scheitern

Die Zahl klingt erschreckend – und sie stimmt. Verschiedene Studien (Gartner, McKinsey, BCG) kommen auf ähnliche Ergebnisse: Zwischen 60% und 80% aller KI-Initiativen erreichen nie die Produktionsreife oder werden nach kurzer Zeit wieder eingestellt.

Doch hinter der Statistik stecken konkrete, vermeidbare Fehler. Hier sind die wahren Gründe – und wie du sie umgehst.

Die 7 häufigsten Gründe für das Scheitern

Grund 1: Technologie-getrieben statt Problem-getrieben

Das Symptom: "Wir brauchen KI" – aber niemand kann erklären, wofür genau.

Was passiert:

  • Geschäftsführung liest über ChatGPT
  • IT-Abteilung bekommt den Auftrag: "Macht mal was mit KI"
  • Ein Proof-of-Concept wird gebaut
  • Der PoC löst kein echtes Problem
  • Projekt versandet

Die Lösung: Starte immer mit dem Problem, nicht mit der Technologie.

Richtige Frage: "Welcher Prozess kostet uns am meisten Zeit/Geld/Nerven?" Falsche Frage: "Wie können wir GPT-4 einsetzen?"

Framework für Problem-Orientierung:

  1. Schmerzpunkte identifizieren (mit Fachabteilungen, nicht mit IT)
  2. Schmerz quantifizieren (Stunden, Euro, Fehlerrate)
  3. Lösungsoptionen bewerten (KI ist nur eine davon)
  4. Nur wenn KI die beste Option ist: weitermachen

Grund 2: Datenqualität wird unterschätzt

Das Symptom: Das Modell funktioniert – aber nur im Labor.

Was passiert:

  • KI wird auf bereinigten Testdaten trainiert
  • In der Realität: inkonsistente Formate, fehlende Felder, Duplikate
  • Modell liefert Müll
  • Vertrauen ist zerstört

Die Realität:

"80% des KI-Projekts ist Datenarbeit, 20% ist das eigentliche Modell."

Die Lösung:

Vor jedem KI-Projekt:

  1. Dateninventur durchführen

    • Welche Daten existieren?
    • In welchen Systemen?
    • In welcher Qualität?
  2. Datenqualität bewerten

    • Vollständigkeit (wie viele leere Felder?)
    • Konsistenz (gleiche Sache, unterschiedliche Schreibweise?)
    • Aktualität (wie alt sind die Daten?)
    • Genauigkeit (stimmen die Daten?)
  3. Datenbereinigung einplanen

    • Budget: 30-50% des Gesamtprojekts
    • Zeit: Unterschätze den Aufwand nicht
    • Experten: Datenengineers sind kritisch

Checkliste Datenqualität:

  • Datenquellen dokumentiert
  • Datenflüsse verstanden
  • Qualitätsprobleme identifiziert
  • Bereinigungsplan erstellt
  • Verantwortlichkeiten geklärt

Grund 3: Change Management fehlt

Das Symptom: Das Tool ist fertig – aber niemand nutzt es.

Die Zahlen:

  • 54% der Mitarbeiter nutzen bereitgestellte KI-Tools nicht regelmäßig
  • 73% haben Bedenken bezüglich Job-Sicherheit
  • 61% wurden nicht ausreichend geschult

Was passiert:

  • Projekt wird von IT/Geschäftsführung getrieben
  • Nutzer werden erst eingebunden, wenn das Tool fertig ist
  • Ängste werden nicht adressiert
  • Schulung besteht aus PDF und "ist selbsterklärend"
  • Tool wird gemieden oder sabotiert

Die Lösung:

Change Management Framework:

Phase 1: Awareness (Woche 1-2)

  • Warum KI? (Chance, nicht Bedrohung)
  • Was ändert sich konkret?
  • Was ändert sich NICHT?
  • Offene Q&A-Sessions

Phase 2: Involvement (Woche 3-6)

  • Pilotnutzer einbinden
  • Feedback ernst nehmen
  • Anpassungen vornehmen
  • Champions/Superuser etablieren

Phase 3: Training (Woche 7-8)

  • Hands-on, nicht PowerPoint
  • Verschiedene Lerntypen berücksichtigen
  • Troubleshooting-Guides
  • Support-Kanäle etablieren

Phase 4: Reinforcement (ongoing)

  • Erfolge kommunizieren
  • Feedback-Loops aufrechterhalten
  • Nachschulungen anbieten
  • KPIs transparent machen

Vertiefung: Unser Artikel über Human-Centered AI erklärt die psychologischen Aspekte im Detail.

Grund 4: Unrealistische Erwartungen

Das Symptom: "KI löst alle Probleme" – die Enttäuschung folgt.

Typische Fehlerwartungen:

  • "KI ersetzt 80% unserer Mitarbeiter"
  • "In 3 Monaten haben wir einen Chatbot wie ChatGPT"
  • "Das Tool macht keine Fehler"
  • "Einmal aufgesetzt, läuft es von selbst"

Die Realität:

ErwartungRealität
KI ersetzt MenschenKI ergänzt Menschen bei Routine-Aufgaben
100% Genauigkeit85-95% sind realistisch (je nach Use Case)
SelbstlaufendKontinuierliche Überwachung und Anpassung nötig
Schnell implementiert3-12 Monate für signifikante Ergebnisse
Günstiger als MenschenLangfristig oft, kurzfristig Investition

Die Lösung:

Realistische Ziele setzen:

  1. Konkrete KPIs definieren (nicht "besser", sondern "30% schneller")
  2. Baseline messen (woher wissen wir, dass es besser wurde?)
  3. Erwartungen dokumentieren und kommunizieren
  4. Pilotphase als Lernphase positionieren
  5. Iterativ verbessern, nicht perfekt launchen

Kommunikationsregeln:

  • Ehrlich über Limitationen sprechen
  • Erfolge UND Misserfolge teilen
  • KI als Werkzeug positionieren, nicht als Wundermittel

Grund 5: Fehlende Governance und Compliance

Das Symptom: Das Projekt wird vom Legal/Datenschutz gestoppt – oder es gibt nach Launch Probleme.

Typische Probleme:

  • DSGVO-Verstoß bei Datenverarbeitung
  • KI-Entscheidungen sind nicht erklärbar (AI Act!)
  • Halluzinationen werden ungeprüft veröffentlicht
  • Bias in Trainingsdaten führt zu Diskriminierung
  • Kein Audit-Trail

Die Lösung:

KI-Governance-Framework:

1. Datenschutz

  • Welche Daten werden verarbeitet?
  • Wo werden sie verarbeitet? (EU vs. USA)
  • Gibt es eine Rechtsgrundlage?
  • Werden personenbezogene Daten anonymisiert?

2. Transparenz

  • Ist erkennbar, dass KI im Spiel ist?
  • Können Entscheidungen erklärt werden?
  • Gibt es einen Human-in-the-Loop?

3. Qualitätssicherung

  • Wie werden Outputs geprüft?
  • Wer ist verantwortlich bei Fehlern?
  • Wie werden Halluzinationen verhindert?

4. Dokumentation

  • Trainingsdaten dokumentiert?
  • Modell-Performance getrackt?
  • Änderungen versioniert?

Checkliste vor Go-Live:

  • Rechtsabteilung eingebunden
  • Datenschutzfolgenabschätzung durchgeführt
  • AI Act Compliance geprüft
  • Human-in-the-Loop definiert
  • Eskalationsprozess etabliert
  • Audit-Trail implementiert

Grund 6: Kein klares Ownership

Das Symptom: Jeder ist zuständig – also niemand.

Was passiert:

  • IT sagt: "Wir bauen, aber Fachabteilung muss testen"
  • Fachabteilung sagt: "Wir testen, aber IT muss fixen"
  • Management sagt: "Macht mal, berichtet am Quartalsende"
  • Projekt driftet, niemand treibt

Die Lösung:

Klare Rollenverteilung:

RolleVerantwortungTypischer Besitzer
Project OwnerEntscheidungen, Budget, TimelineFachabteilungs-Leitung
Technical LeadArchitektur, UmsetzungIT / Externer Partner
Change ManagerAdoption, TrainingHR / Projektteam
Data OwnerDatenqualität, -zugangFachabteilung
Executive SponsorPriorisierung, RessourcenC-Level

Governance-Struktur:

  • Wöchentliche Standups (operativ)
  • Bi-weekly Steering Committee (strategisch)
  • Monatliche Executive Updates
  • Klare Eskalationswege

Grund 7: Zu ambitionierter Scope

Das Symptom: Das Projekt wird immer größer – und kommt nie ans Ziel.

Typischer Verlauf:

  1. Start mit einem Use Case
  2. "Das könnten wir auch noch machen..."
  3. "Wenn schon, denn schon..."
  4. Projekt verdreifacht sich
  5. Budget/Zeit laufen aus
  6. Projekt wird eingestellt

Die Lösung:

MVP-Mentalität:

  • Was ist das MINIMUM, das Wert liefert?
  • Was kann warten?
  • Lieber 80% Lösung in 8 Wochen als 100% Lösung nie

Scope-Management:

  1. Initiales Scope dokumentieren (schriftlich!)
  2. Änderungen nur über formalen Prozess
  3. Jede Erweiterung: +Zeit und +Budget
  4. "Nice-to-have" auf Backlog für Phase 2

Die 8-Wochen-Regel: Wenn der erste Pilot nicht in 8 Wochen steht, ist der Scope zu groß.

Der Weg zum erfolgreichen KI-Projekt

Das Erfolgs-Framework

Schritt 1: Problem-Validierung (Woche 1-2)

  • Echtes Problem identifizieren
  • Schmerz quantifizieren
  • Stakeholder einbinden
  • Go/No-Go Entscheidung

Schritt 2: Feasibility Check (Woche 3-4)

  • Datenqualität bewerten
  • Technische Machbarkeit prüfen
  • Compliance-Check
  • Ressourcen planen

Schritt 3: MVP-Definition (Woche 5)

  • Minimal Viable Scope
  • Erfolgsmetriken
  • Timeline
  • Budget

Schritt 4: Pilot (Woche 6-12)

  • Bauen
  • Testen
  • Iterieren
  • Messen

Schritt 5: Evaluation (Woche 13)

  • KPIs vs. Baseline
  • Learnings
  • Go/No-Go für Rollout

Schritt 6: Rollout (Woche 14+)

  • Schrittweise ausrollen
  • Change Management
  • Monitoring
  • Kontinuierliche Verbesserung

Die 10-Punkte-Erfolgs-Checkliste

  • Problem klar definiert und quantifiziert
  • Datenqualität geprüft und Bereinigung geplant
  • Stakeholder früh eingebunden
  • Change Management budgetiert (min. 30%)
  • Realistische Erwartungen kommuniziert
  • Governance-Framework etabliert
  • Klare Verantwortlichkeiten
  • MVP-Scope, nicht Big-Bang
  • Erfolgsmessung vorbereitet
  • Lessons Learned Prozess definiert

Fazit

70% der KI-Projekte scheitern – aber nicht wegen der Technologie. Sie scheitern an:

  • Fehlender Problemorientierung
  • Schlechter Datenqualität
  • Mangelndem Change Management
  • Unrealistischen Erwartungen
  • Governance-Lücken
  • Unklarem Ownership
  • Zu großem Scope

Die gute Nachricht: All das ist vermeidbar. Mit dem richtigen Framework, realistischen Erwartungen und konsequenter Umsetzung gehörst du zu den 30%, die Erfolg haben.


Du möchtest ein KI-Projekt starten und die typischen Fehler vermeiden? Unser AI Adoption Audit analysiert deine Ausgangslage und identifiziert Risiken, bevor sie zu Problemen werden. In 2-3 Wochen weißt du genau, worauf du achten musst.

#KI Projekte#KI Scheitern#KI Erfolgsfaktoren#Change Management#KI Implementierung

Hast du ein ähnliches Projekt?

Lass uns darüber reden, wie ich dir helfen kann.

Kontakt aufnehmen