Prozesskosten: Was Sie nicht sehen, kostet am meisten
Fragen Sie einen Geschäftsführer nach seinen Prozesskosten, bekommen Sie meist eine ungefähre Antwort. Fragen Sie nach den versteckten Kosten, bekommen Sie Schweigen.
Das Problem: Die sichtbaren Kosten sind nur die Spitze des Eisbergs. Unter der Oberfläche verbergen sich Ineffizienzen, die Ihre Marge auffressen – still und stetig.
Der Prozesskosten-Eisberg
Sichtbare Kosten (20%)
- Gehälter der beteiligten Mitarbeiter
- Softwarelizenzen
- Direkte Materialkosten
Versteckte Kosten (80%)
- Wartezeiten: Dokumente liegen auf Schreibtischen
- Doppelarbeit: Gleiche Daten in mehrere Systeme eingeben
- Fehlerkorrektur: Rechnungen stornieren, neu erstellen
- Suchzeiten: "Wo ist die aktuelle Version?"
- Kommunikations-Overhead: E-Mail-Ping-Pong zur Klärung
- Opportunitätskosten: Was könnten Mitarbeiter stattdessen tun?
Die Formel für wahre Prozesskosten
Wahre Prozesskosten =
Direkte Arbeitszeit × Stundensatz
+ Wartezeit × (Stundensatz × Faktor)
+ Fehlerquote × Durchschnittskosten pro Fehler
+ Systemkosten (anteilig)
+ Opportunitätskosten
Ein konkretes Beispiel: Rechnungsfreigabe
Annahmen:
- 200 Rechnungen pro Monat
- Bearbeitungszeit: 8 Minuten pro Rechnung
- Wartezeit (Genehmigungen): 24 Stunden pro Rechnung
- Fehlerquote: 5%
- Stundensatz Buchhaltung: 45€
Sichtbare Kosten:
- 200 × 8 Min = 26,7 Stunden × 45€ = 1.200€/Monat
Versteckte Kosten:
- Wartezeit-Impact (Skonto-Verlust bei 10 Rechnungen): 300€
- Fehlerkorrektur (10 Rechnungen × 30 Min): 225€
- E-Mail-Nachfragen (15 Min pro 50 Rechnungen): 112€
- System-Switching (5 Min × 200): 750€
- Summe versteckt: 1.387€/Monat
Wahre Gesamtkosten: 2.587€/Monat statt 1.200€
Berechnen Sie Ihre Prozesskosten: Unser Prozesskosten-Analyzer berechnet für Sie alle direkten und versteckten Kosten.
Die 6 größten Kostenfresser in Geschäftsprozessen
1. Medienbrüche
Jedes Mal, wenn Informationen das Medium wechseln (digital → Papier → digital), entstehen Kosten:
- Druckkosten
- Scan-Zeit
- Fehleranfälligkeit
- Lagerkosten
Lösung: End-to-End digitale Workflows
2. Manuelle Dateneingabe
Copy-Paste zwischen Systemen ist der heimliche Produktivitätskiller:
- 2-5 Minuten pro Transfer
- 1-3% Fehlerquote
- Frustration bei Mitarbeitern
Lösung: System-Integrationen und APIs
3. Genehmigungsschleifen
Jede Warteschleife kostet:
- Durchlaufzeit verlängert sich
- Skonto-Chancen verpasst
- Kundenerwartungen enttäuscht
Lösung: Automatisierte Workflows mit Eskalation
4. Fehlende Standardisierung
Wenn jeder den Prozess anders macht:
- Einarbeitung neuer Mitarbeiter dauert länger
- Qualität schwankt
- Automatisierung unmöglich
Lösung: Prozesse dokumentieren und standardisieren
5. Überkontrolle
Zu viele Prüfschleifen kosten mehr als sie schützen:
- 4-Augen-Prinzip bei 10€-Bestellungen?
- Drei Genehmigungsstufen für Standardvorgänge?
Lösung: Risikoadäquate Freigabelimits
6. Schatten-IT
Wenn offizielle Tools nicht funktionieren:
- Mitarbeiter nutzen private WhatsApp
- Daten landen in persönlichen Excel-Dateien
- Compliance-Risiken entstehen
Lösung: Funktionale, benutzerfreundliche Systeme
Die Prozesskosten-Matrix
Priorisieren Sie Optimierungen nach Häufigkeit und Kosten:
| Hohe Kosten pro Vorgang | Niedrige Kosten pro Vorgang | |
|---|---|---|
| Hohe Frequenz | 🔴 Sofort optimieren | 🟡 Automatisieren |
| Niedrige Frequenz | 🟡 Vereinfachen | 🟢 Akzeptieren |
5 Schritte zur Prozesskostenanalyse
Schritt 1: Prozess identifizieren
Wählen Sie einen Prozess mit:
- Klarem Start- und Endpunkt
- Messbaren Durchlaufmengen
- Relevanz für das Geschäft
Schritt 2: Prozessschritte erfassen
Dokumentieren Sie jeden Schritt:
- Wer macht was?
- Wie lange dauert es?
- Welche Systeme sind involviert?
- Wo entstehen Wartezeiten?
Schritt 3: Kosten zuordnen
Für jeden Schritt:
- Direkte Arbeitskosten
- Anteilige Systemkosten
- Fehlerwahrscheinlichkeit und -kosten
Schritt 4: Versteckte Kosten aufdecken
Fragen Sie:
- Was passiert, wenn etwas schiefgeht?
- Wo warten Dinge auf Menschen?
- Wo warten Menschen auf Dinge?
Schritt 5: Einsparpotenzial berechnen
Vergleichen Sie:
- Ist-Kosten vs. optimierte Kosten
- Manuelle vs. automatisierte Kosten
- Inhouse vs. Outsourcing
Schneller zum Ergebnis: Nutzen Sie unseren Prozesskosten-Analyzer für eine systematische Berechnung.
ROI von Prozessoptimierung
Typische Einsparpotenziale
| Optimierungsart | Typische Einsparung |
|---|---|
| Papierlos arbeiten | 30-50% der Dokumentenkosten |
| Automatisierte Freigaben | 60-80% der Durchlaufzeit |
| System-Integration | 70-90% der Transferzeit |
| Standardisierung | 20-40% der Bearbeitungszeit |
Amortisation
Prozessoptimierungen amortisieren sich typischerweise in:
- Einfache Automatisierung: 3-6 Monate
- Workflow-Systeme: 6-12 Monate
- Komplexe Integrationen: 12-18 Monate
Nächste Schritte
Für den schnellen Start:
- Prozesskosten-Analyzer – Berechnen Sie Ihre wahren Kosten
- Automatisierungs-Check – Prüfen Sie das Automatisierungspotenzial
- Digitalisierungs-Reifegrad – Verstehen Sie Ihren Status quo
Für die strategische Planung:
- Identifizieren Sie Ihre Top-5 kostenintensivsten Prozesse
- Priorisieren Sie nach Einsparpotenzial
- Erstellen Sie einen Optimierungsfahrplan
Fazit: Messen, nicht schätzen
Die meisten Unternehmen unterschätzen ihre Prozesskosten um 50-80%. Das liegt nicht an mangelndem Willen, sondern an fehlender Methodik.
Mit einer systematischen Prozesskostenanalyse machen Sie aus Vermutungen Fakten – und aus Fakten Entscheidungen, die Ihre Marge verbessern.
Sie haben Ihre kostentreibenden Prozesse identifiziert und wollen handeln? Unser AI Adoption Audit zeigt Ihnen, wie Sie KI und Automatisierung gezielt für die Optimierung einsetzen.
