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Prozessoptimierung

Prozesskosten analysieren: Die wahren Kosten Ihrer Geschäftsprozesse

28. Dezember 2025
10 min Lesezeit
Jonas Höttler

Prozesskosten: Was Sie nicht sehen, kostet am meisten

Fragen Sie einen Geschäftsführer nach seinen Prozesskosten, bekommen Sie meist eine ungefähre Antwort. Fragen Sie nach den versteckten Kosten, bekommen Sie Schweigen.

Das Problem: Die sichtbaren Kosten sind nur die Spitze des Eisbergs. Unter der Oberfläche verbergen sich Ineffizienzen, die Ihre Marge auffressen – still und stetig.

Der Prozesskosten-Eisberg

Sichtbare Kosten (20%)

  • Gehälter der beteiligten Mitarbeiter
  • Softwarelizenzen
  • Direkte Materialkosten

Versteckte Kosten (80%)

  • Wartezeiten: Dokumente liegen auf Schreibtischen
  • Doppelarbeit: Gleiche Daten in mehrere Systeme eingeben
  • Fehlerkorrektur: Rechnungen stornieren, neu erstellen
  • Suchzeiten: "Wo ist die aktuelle Version?"
  • Kommunikations-Overhead: E-Mail-Ping-Pong zur Klärung
  • Opportunitätskosten: Was könnten Mitarbeiter stattdessen tun?

Die Formel für wahre Prozesskosten

Wahre Prozesskosten =
  Direkte Arbeitszeit × Stundensatz
  + Wartezeit × (Stundensatz × Faktor)
  + Fehlerquote × Durchschnittskosten pro Fehler
  + Systemkosten (anteilig)
  + Opportunitätskosten

Ein konkretes Beispiel: Rechnungsfreigabe

Annahmen:

  • 200 Rechnungen pro Monat
  • Bearbeitungszeit: 8 Minuten pro Rechnung
  • Wartezeit (Genehmigungen): 24 Stunden pro Rechnung
  • Fehlerquote: 5%
  • Stundensatz Buchhaltung: 45€

Sichtbare Kosten:

  • 200 × 8 Min = 26,7 Stunden × 45€ = 1.200€/Monat

Versteckte Kosten:

  • Wartezeit-Impact (Skonto-Verlust bei 10 Rechnungen): 300€
  • Fehlerkorrektur (10 Rechnungen × 30 Min): 225€
  • E-Mail-Nachfragen (15 Min pro 50 Rechnungen): 112€
  • System-Switching (5 Min × 200): 750€
  • Summe versteckt: 1.387€/Monat

Wahre Gesamtkosten: 2.587€/Monat statt 1.200€

Berechnen Sie Ihre Prozesskosten: Unser Prozesskosten-Analyzer berechnet für Sie alle direkten und versteckten Kosten.

Die 6 größten Kostenfresser in Geschäftsprozessen

1. Medienbrüche

Jedes Mal, wenn Informationen das Medium wechseln (digital → Papier → digital), entstehen Kosten:

  • Druckkosten
  • Scan-Zeit
  • Fehleranfälligkeit
  • Lagerkosten

Lösung: End-to-End digitale Workflows

2. Manuelle Dateneingabe

Copy-Paste zwischen Systemen ist der heimliche Produktivitätskiller:

  • 2-5 Minuten pro Transfer
  • 1-3% Fehlerquote
  • Frustration bei Mitarbeitern

Lösung: System-Integrationen und APIs

3. Genehmigungsschleifen

Jede Warteschleife kostet:

  • Durchlaufzeit verlängert sich
  • Skonto-Chancen verpasst
  • Kundenerwartungen enttäuscht

Lösung: Automatisierte Workflows mit Eskalation

4. Fehlende Standardisierung

Wenn jeder den Prozess anders macht:

  • Einarbeitung neuer Mitarbeiter dauert länger
  • Qualität schwankt
  • Automatisierung unmöglich

Lösung: Prozesse dokumentieren und standardisieren

5. Überkontrolle

Zu viele Prüfschleifen kosten mehr als sie schützen:

  • 4-Augen-Prinzip bei 10€-Bestellungen?
  • Drei Genehmigungsstufen für Standardvorgänge?

Lösung: Risikoadäquate Freigabelimits

6. Schatten-IT

Wenn offizielle Tools nicht funktionieren:

  • Mitarbeiter nutzen private WhatsApp
  • Daten landen in persönlichen Excel-Dateien
  • Compliance-Risiken entstehen

Lösung: Funktionale, benutzerfreundliche Systeme

Die Prozesskosten-Matrix

Priorisieren Sie Optimierungen nach Häufigkeit und Kosten:

Hohe Kosten pro VorgangNiedrige Kosten pro Vorgang
Hohe Frequenz🔴 Sofort optimieren🟡 Automatisieren
Niedrige Frequenz🟡 Vereinfachen🟢 Akzeptieren

5 Schritte zur Prozesskostenanalyse

Schritt 1: Prozess identifizieren

Wählen Sie einen Prozess mit:

  • Klarem Start- und Endpunkt
  • Messbaren Durchlaufmengen
  • Relevanz für das Geschäft

Schritt 2: Prozessschritte erfassen

Dokumentieren Sie jeden Schritt:

  • Wer macht was?
  • Wie lange dauert es?
  • Welche Systeme sind involviert?
  • Wo entstehen Wartezeiten?

Schritt 3: Kosten zuordnen

Für jeden Schritt:

  • Direkte Arbeitskosten
  • Anteilige Systemkosten
  • Fehlerwahrscheinlichkeit und -kosten

Schritt 4: Versteckte Kosten aufdecken

Fragen Sie:

  • Was passiert, wenn etwas schiefgeht?
  • Wo warten Dinge auf Menschen?
  • Wo warten Menschen auf Dinge?

Schritt 5: Einsparpotenzial berechnen

Vergleichen Sie:

  • Ist-Kosten vs. optimierte Kosten
  • Manuelle vs. automatisierte Kosten
  • Inhouse vs. Outsourcing

Schneller zum Ergebnis: Nutzen Sie unseren Prozesskosten-Analyzer für eine systematische Berechnung.

ROI von Prozessoptimierung

Typische Einsparpotenziale

OptimierungsartTypische Einsparung
Papierlos arbeiten30-50% der Dokumentenkosten
Automatisierte Freigaben60-80% der Durchlaufzeit
System-Integration70-90% der Transferzeit
Standardisierung20-40% der Bearbeitungszeit

Amortisation

Prozessoptimierungen amortisieren sich typischerweise in:

  • Einfache Automatisierung: 3-6 Monate
  • Workflow-Systeme: 6-12 Monate
  • Komplexe Integrationen: 12-18 Monate

Nächste Schritte

Für den schnellen Start:

  1. Prozesskosten-Analyzer – Berechnen Sie Ihre wahren Kosten
  2. Automatisierungs-Check – Prüfen Sie das Automatisierungspotenzial
  3. Digitalisierungs-Reifegrad – Verstehen Sie Ihren Status quo

Für die strategische Planung:

  • Identifizieren Sie Ihre Top-5 kostenintensivsten Prozesse
  • Priorisieren Sie nach Einsparpotenzial
  • Erstellen Sie einen Optimierungsfahrplan

Fazit: Messen, nicht schätzen

Die meisten Unternehmen unterschätzen ihre Prozesskosten um 50-80%. Das liegt nicht an mangelndem Willen, sondern an fehlender Methodik.

Mit einer systematischen Prozesskostenanalyse machen Sie aus Vermutungen Fakten – und aus Fakten Entscheidungen, die Ihre Marge verbessern.


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