SMART Ziele setzen: Methode, Kritik und bessere Alternativen
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Produktivität

SMART Ziele setzen: Methode, Kritik und bessere Alternativen

21. Januar 2026
16 min Lesezeit
Jonas Höttler

SMART Ziele: Die Methode, ihre Grenzen und wann du sie (nicht) nutzen solltest

„Ich will dieses Jahr mehr Sport machen." Klingt gut, passiert nie.

„Ich will bis zum 30. Juni dreimal pro Woche 30 Minuten joggen." Schon besser.

Der Unterschied? Das zweite Ziel ist SMART. Aber ist SMART immer die beste Methode? Spoiler: Nein. Dieser Guide zeigt dir, wann SMART funktioniert, wann nicht – und welche Alternativen es gibt.

Was bedeutet SMART?

SMART ist ein Akronym für fünf Kriterien, die ein Ziel erfüllen sollte:

BuchstabeBedeutungKernfrage
SSpezifischWas genau will ich erreichen?
MMessbarWoran erkenne ich, dass ich es erreicht habe?
AAttraktiv/AchievableIst es erstrebenswert und erreichbar?
RRealistisch/RelevantIst es machbar und wichtig?
TTerminiertBis wann will ich es erreicht haben?

Die Geschichte

Die SMART-Methode wurde 1981 von George T. Doran in seinem Paper „There's a S.M.A.R.T. Way to Write Management's Goals and Objectives" vorgestellt. Ursprünglich für Management-Ziele entwickelt, wurde sie zum Standard in fast allen Bereichen – von Unternehmensführung über Projektmanagement bis zur persönlichen Entwicklung.

SMART Ziele formulieren: Schritt für Schritt

S – Spezifisch (Specific)

Schlecht: „Ich will besser programmieren können."

SMART: „Ich will TypeScript so gut beherrschen, dass ich eigenständig typsichere APIs entwickeln kann."

Fragen zur Spezifizierung:

  • Was genau will ich erreichen?
  • Wer ist beteiligt?
  • Wo findet es statt?
  • Welche Ressourcen brauche ich?
  • Warum ist dieses Ziel wichtig?

M – Messbar (Measurable)

Schlecht: „Mehr Kunden gewinnen."

SMART: „20 neue zahlende Kunden akquirieren."

Messbarkeit herstellen:

VageMessbar
Mehr Umsatz15% Umsatzsteigerung
Bessere Code-QualitätTest Coverage von 80%
Schnellere LieferungDeployment-Zeit unter 10 Minuten
Höhere KundenzufriedenheitNPS-Score über 50

Tipp: Wenn du kein offensichtliches Maß findest, frage: „Woran würde ein Außenstehender erkennen, dass ich das Ziel erreicht habe?"

A – Attraktiv / Achievable

Das „A" wird unterschiedlich interpretiert:

Attraktiv (Attractive):

  • Motiviert mich dieses Ziel?
  • Will ich es wirklich erreichen?
  • Passt es zu meinen Werten?

Erreichbar (Achievable):

  • Habe ich die nötigen Ressourcen?
  • Liegt es in meinem Einflussbereich?
  • Ist es technisch möglich?

Beispiel – Test:

  • ❌ „Ich will Milliardär werden" – Außerhalb des Einflussbereichs
  • ✅ „Ich will 100.000€ Jahresumsatz erreichen" – Herausfordernd, aber erreichbar

R – Realistisch / Relevant

Auch hier zwei Interpretationen:

Realistisch (Realistic):

  • Ist das Ziel unter den gegebenen Umständen machbar?
  • Habe ich die Zeit, Fähigkeiten und Ressourcen?

Relevant (Relevant):

  • Trägt dieses Ziel zu meinen größeren Zielen bei?
  • Ist jetzt der richtige Zeitpunkt?
  • Passt es zur Unternehmensstrategie?

Der Relevanz-Check:

Unternehmensziel: Marktführer im Bereich B2B-SaaS werden

Abteilungsziel: 50% schnellere Feature-Entwicklung
→ Relevant? Ja, ermöglicht schnellere Marktanpassung

Abteilungsziel: Büro renovieren
→ Relevant? Nein, trägt nicht zum Hauptziel bei

T – Terminiert (Time-bound)

Schlecht: „Irgendwann die App launchen."

SMART: „Die App bis zum 15. März 2026 im App Store veröffentlichen."

Arten von Zeitbindung:

TypBeispielAnwendung
DeadlineBis 31.12.2026Projekte mit festem Ende
ZeitraumInnerhalb von 3 MonatenFlexible Projekte
FrequenzJeden MontagRoutinen und Habits
MeilensteinePhase 1 bis März, Phase 2 bis JuniGroße Projekte

SMART Ziele Beispiele nach Bereich

Softwareentwicklung

VageSMART
Code verbessernBis Q2 die technische Schuld um 30% reduzieren, gemessen an SonarQube-Issues
Schneller deployenCI/CD-Pipeline so optimieren, dass Deployments bis Ende März unter 5 Minuten dauern
Mehr testenTest Coverage bis Ende Q1 von 45% auf 75% erhöhen

Karriere

VageSMART
Beförderung bekommenBis Dezember 2026 zum Senior Developer befördert werden durch Erreichen der definierten Kriterien X, Y, Z
Mehr verdienenBei der nächsten Gehaltsverhandlung (Juni) eine Erhöhung von mindestens 10% erreichen
Neuen Job findenBis Ende Q2 drei Vorstellungsgespräche bei Unternehmen meiner Wunschliste führen

Team-Führung

VageSMART
Team-Stimmung verbessernTeam-NPS bis Ende Q3 von 6 auf 8 verbessern
Weniger FluktuationFreiwillige Kündigungsrate bis Jahresende von 20% auf unter 10% senken
Bessere KommunikationWöchentliche 1:1s mit allen Teammitgliedern einführen, Start ab nächster Woche

Persönliche Entwicklung

VageSMART
Sprache lernenBis Dezember B1-Level in Spanisch erreichen, nachgewiesen durch DELE-Zertifikat
Mehr lesenIn 2026 mindestens 24 Bücher lesen (2 pro Monat)
Gesünder lebenBis Juni 5kg abnehmen durch 3x wöchentliches Training und Kaloriendefizit

Die Kritik an SMART Zielen

SMART ist nicht perfekt. Hier die berechtigten Kritikpunkte:

1. Fördert Risikovermeidung

Weil Ziele „erreichbar" und „realistisch" sein sollen, setzen Menschen oft zu niedrige Ziele. Das Ergebnis: Mittelmäßigkeit wird belohnt.

Problem:

  • Team setzt sich Ziel: 10% Wachstum
  • Team erreicht 10% → Erfolg gefeiert
  • Team hätte vielleicht 30% schaffen können

2. Kurzfristiges Denken

Die Zeitbindung führt oft zu:

  • Fokus auf schnelle Wins statt nachhaltige Lösungen
  • „Gaming the metrics" – die Zahl erreichen, auch wenn das nicht das eigentliche Ziel ist
  • Vernachlässigung von langfristigen Investitionen

Beispiel: Sales-Team fokussiert auf Quartals-Ziele, vernachlässigt langfristige Kundenbeziehungen.

3. Nicht geeignet für Unsicherheit

In VUCA-Umgebungen (Volatility, Uncertainty, Complexity, Ambiguity) funktionieren starre Ziele schlecht:

  • Startup-Welt: Ziele ändern sich ständig
  • Innovation: Erfolg ist nicht planbar
  • Komplexe Projekte: Unbekannte Unbekannte

4. Messwahn

Nicht alles Wichtige ist messbar. Der Fokus auf Messbarkeit führt zu:

  • Vernachlässigung von Qualität (nur Quantität ist messbar)
  • Überbetonung von dem, was gemessen wird
  • Manipulation von Metriken

Campbell's Law: „Je mehr ein quantitativer Indikator für soziale Entscheidungen verwendet wird, desto mehr wird er Korruptionsdruck ausgesetzt und desto eher wird er die sozialen Prozesse verzerren, die er eigentlich messen soll."

5. Fehlende Inspiration

SMART-Ziele sind rational, aber nicht unbedingt inspirierend. „20% Umsatzsteigerung bis Q4" motiviert weniger als „Wir wollen die Art revolutionieren, wie Menschen arbeiten."

Alternativen zu SMART Zielen

OKRs (Objectives and Key Results)

Struktur:

  • Objective: Qualitatives, inspirierendes Ziel
  • Key Results: 3-5 messbare Ergebnisse, die zeigen, ob das Ziel erreicht wurde

Beispiel:

Objective: Das beste Onboarding-Erlebnis der Branche bieten

Key Results:
- Time-to-Value unter 5 Minuten
- Onboarding-Completion-Rate über 90%
- NPS für neue Nutzer über 60
- Support-Tickets in der ersten Woche unter 5%

Vorteile gegenüber SMART:

  • Ambitionierter (70% Zielerreichung gilt als Erfolg)
  • Trennung von Inspiration (Objective) und Messung (Key Results)
  • Bessere Ausrichtung durch Kaskadierung

Wann OKRs statt SMART:

  • Wenn du ambitionierte Ziele brauchst
  • Für Team- und Unternehmensebene
  • Bei quartalsweiser Planung

HARD Goals

Akronym:

  • Heartfelt – Emotional bedeutsam
  • Animated – Lebendig vorstellbar
  • Required – Notwendig (nicht nur „nice to have")
  • Difficult – Herausfordernd

Fokus: Motivation und emotionale Bindung statt nur Messwahn.

WOOP

Methode von Gabriele Oettingen:

  • Wish – Was wünsche ich mir?
  • Outcome – Was wäre das beste Ergebnis?
  • Obstacle – Was hindert mich?
  • Plan – Wenn [Hindernis], dann [Reaktion]

Besonders gut für: Persönliche Ziele und Habit-Bildung.

North Star Metric

Konzept: Eine einzige Metrik, die den Kern des Unternehmenswertes abbildet.

Beispiele:

  • Spotify: Zeit, die Nutzer mit Musik hören
  • Airbnb: Gebuchte Nächte
  • Slack: Täglich aktive Nutzer

Vorteil: Extreme Fokussierung und Alignment.

Wann SMART verwenden?

SMART funktioniert am besten bei:

SituationWarum SMART passt
Klar definierte ProjekteScope ist bekannt, Messbarkeit einfach
Operative ZieleTagesgeschäft, nicht Innovation
Individuelle EntwicklungszielePersönliche, konkrete Verbesserungen
Compliance-ZieleMüssen exakt erfüllt werden
Kurzfristige ZieleUnter 3 Monate Horizont

Wann SMART vermeiden?

SituationWarum SMART problematisch ist
Innovation & ForschungErgebnisse nicht planbar
KulturwandelNicht in Zahlen fassbar
Langfristige VisionZu granular für große Ziele
Komplexe UmgebungenZu starr für ständige Anpassung
Motivation steht im FokusZu rational, nicht inspirierend

SMART Ziele im Team einsetzen

Best Practices

1. Gemeinsam formulieren

  • Ziele nicht top-down vorgeben
  • Team in die Zieldefinition einbeziehen
  • Ownership erhöhen durch Partizipation

2. Regelmäßig reviewen

  • Wöchentlicher Check-in: Auf Kurs?
  • Monatlicher Review: Anpassung nötig?
  • Quartals-Retrospektive: Was haben wir gelernt?

3. Öffentlich machen

  • Transparenz schafft Commitment
  • Team-Board mit allen Zielen
  • Fortschritt für alle sichtbar

4. Feiern und Lernen

  • Erreichte Ziele feiern
  • Verfehlte Ziele analysieren (nicht bestrafen)
  • Lessons Learned dokumentieren

Häufige Fehler vermeiden

FehlerLösung
Zu viele ZieleMax. 3-5 fokussierte Ziele pro Quartal
Nur Ergebnis-ZieleAuch Prozess-Ziele definieren
Set and forgetRegelmäßige Check-ins einplanen
Nur Top-downBottom-up Ziele ermöglichen
Keine FlexibilitätZiele bei Bedarf anpassen dürfen

SMART Ziele Vorlage

Für Einzelpersonen

ZIEL: ________________________________

S – Spezifisch:
Was genau? ________________________________
Wer ist beteiligt? ________________________________
Wo? ________________________________
Warum wichtig? ________________________________

M – Messbar:
Erfolgsindikator: ________________________________
Aktueller Stand: ________________________________
Zielwert: ________________________________

A – Attraktiv:
Motivation (1-10): ____
Was begeistert mich daran? ________________________________

R – Realistisch:
Ressourcen vorhanden? □ Ja □ Nein
Hindernisse: ________________________________
Lösungen: ________________________________

T – Terminiert:
Deadline: ________________________________
Meilensteine:
- __________ bis __________
- __________ bis __________
- __________ bis __________

Für Teams

TEAM-ZIEL Q_/202_

OBJECTIVE (inspirierend):
________________________________

SMART KEY RESULTS:

KR1: ________________________________
- Metrik: __________
- Aktuell: __________
- Ziel: __________
- Deadline: __________
- Owner: __________

KR2: ________________________________
[gleiche Struktur]

KR3: ________________________________
[gleiche Struktur]

ABHÄNGIGKEITEN:
- Von Team X brauchen wir: ________________________________
- Wir liefern an Team Y: ________________________________

RISIKEN:
- ________________________________
- ________________________________

CHECK-IN RHYTHMUS: □ Wöchentlich □ Bi-weekly □ Monatlich

Fazit: SMART als Werkzeug, nicht als Dogma

SMART Ziele sind ein nützliches Werkzeug – aber eben nur ein Werkzeug. Sie funktionieren hervorragend für:

  • Konkrete, operative Ziele
  • Persönliche Entwicklungsziele
  • Projekte mit klarem Scope

Sie funktionieren weniger gut für:

  • Ambitionierte Stretch Goals
  • Innovation und Experimente
  • Langfristige Visionen

Meine Empfehlung:

  1. Für persönliche Ziele: SMART oder WOOP
  2. Für Team-Ziele: OKRs mit SMART Key Results
  3. Für Unternehmensziele: North Star + OKRs

Das Wichtigste ist nicht die perfekte Methode, sondern überhaupt Ziele zu setzen, sie aufzuschreiben und regelmäßig zu überprüfen. Eine imperfekt formulierte Zielsetzung, die du verfolgst, schlägt ein perfektes SMART-Ziel, das in der Schublade liegt.


Du führst ein Team und fragst dich, wie du Ziele motivierend vermitteln kannst? Unser Guide zu Servant Leadership zeigt, wie du durch Unterstützung statt Kontrolle bessere Ergebnisse erzielst.

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