Zero Trust Security: Der neue Goldstandard für IT-Sicherheit
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Cybersecurity

Zero Trust Security: Der neue Goldstandard für IT-Sicherheit

29. Januar 2026
13 min Lesezeit
Jonas Höttler

Zero Trust Security: Der neue Goldstandard für IT-Sicherheit

"Trust but verify" ist überholt. Das neue Paradigma: "Never trust, always verify."

Zero Trust ist mehr als ein Buzzword – es ist die Antwort auf eine Realität, in der Mitarbeiter von überall arbeiten, Daten in der Cloud liegen und klassische Firewalls nicht mehr reichen.

Was ist Zero Trust?

Zero Trust ist ein Sicherheitsmodell, das auf einem einfachen Prinzip basiert: Vertraue niemandem und nichts – egal ob innerhalb oder außerhalb des Netzwerks.

Die Kernprinzipien:

  1. Explicit verification – Jeder Zugriff wird authentifiziert und autorisiert
  2. Least privilege access – Minimale Rechte, zeitlich begrenzt
  3. Assume breach – Verhalte dich so, als wäre bereits ein Angreifer im Netzwerk

Der Unterschied zum klassischen Modell

Traditionelles Modell (Perimetersicherheit):

              Firewall
                 ▼
[Internet] ═══════════ [Internes Netzwerk]
                         (Vertrauenszone)
  • Harte Schale, weicher Kern
  • Einmal drin = Voller Zugriff
  • VPN als Hauptschutz

Zero Trust Modell:

[User] ──verify──► [Resource 1]
   │
   ├──verify──► [Resource 2]
   │
   └──verify──► [Resource 3]
  • Jede Ressource einzeln geschützt
  • Kontinuierliche Überprüfung
  • Kein implizites Vertrauen

Warum Zero Trust jetzt?

Die Realität hat sich geändert

Verwandt: Zero Trust ist Teil einer umfassenden Strategie für Digitale Souveränität in Unternehmen.

  1. Remote Work ist Standard

    • Mitarbeiter arbeiten von überall
    • Firmen-VPNs überfordert
    • Unternehmensdaten auf privaten Geräten
  2. Cloud ist allgegenwärtig

    • Daten liegen nicht mehr "im Rechenzentrum"
    • SaaS-Anwendungen außerhalb der Firewall
    • Multi-Cloud-Umgebungen
  3. Angriffe werden raffinierter

    • Lateral Movement nach Initial Breach
    • Insider Threats
    • Supply Chain Attacks

Statistiken, die zum Nachdenken anregen

  • 80% der Sicherheitsverletzungen nutzen kompromittierte Zugangsdaten
  • Durchschnittliche Zeit bis zur Entdeckung: 197 Tage
  • 70% der Angriffe bewegen sich lateral durch das Netzwerk

Die 5 Säulen von Zero Trust

Säule 1: Identity

Ziel: Wer greift zu?

Maßnahmen:

  • Starke Authentifizierung (MFA für alle)
  • Risiko-basierte Authentifizierung
  • Continuous Authentication
  • Privileged Access Management

Technologien:

  • Identity Provider (Azure AD, Okta, Auth0)
  • MFA (FIDO2, Authenticator Apps)
  • Passwordless Authentication
  • PAM-Lösungen

Säule 2: Devices

Ziel: Von welchem Gerät?

Maßnahmen:

  • Device Health Assessment
  • Endpoint Detection & Response (EDR)
  • Mobile Device Management (MDM)
  • Certificate-based Trust

Technologien:

  • Intune, Jamf, VMware Workspace ONE
  • CrowdStrike, SentinelOne, Microsoft Defender
  • Device Certificates

Säule 3: Network

Ziel: Wie wird zugegriffen?

Maßnahmen:

  • Mikrosegmentierung
  • Software-Defined Perimeter
  • Encrypted Traffic
  • Network Access Control

Technologien:

  • SD-WAN, SASE (Zscaler, Cloudflare)
  • Next-Gen Firewalls
  • Network Segmentation (VLANs, Micro-Segmentation)

Säule 4: Applications

Ziel: Auf was wird zugegriffen?

Maßnahmen:

  • Application-level Controls
  • API Security
  • CASB für SaaS
  • Secure Access to Legacy Apps

Technologien:

  • CASB (Netskope, McAfee)
  • API Gateways
  • Application Proxies (Azure AD App Proxy)

Säule 5: Data

Ziel: Welche Daten?

Maßnahmen:

  • Data Classification
  • DLP (Data Loss Prevention)
  • Encryption at Rest and in Transit
  • Rights Management

Technologien:

  • Microsoft Information Protection
  • DLP-Lösungen
  • Encryption (TLS, AES)

Zero Trust Roadmap für den Mittelstand

Phase 1: Foundation (Monat 1-3)

Fokus: Identity & MFA

Maßnahmen:

  1. Identity Provider einführen/konsolidieren
  2. MFA für alle Benutzer ausrollen
  3. Passwort-Policies verschärfen
  4. Admin-Konten separieren

Quick Wins:

  • MFA für alle Cloud-Dienste
  • Conditional Access Policies
  • Self-Service Password Reset

Kosten (Beispiel, 100 User):

  • Azure AD P1: ~500€/Monat
  • MFA-Token: ~2.000€ einmalig (Hardware) oder 0€ (App)

Phase 2: Device Trust (Monat 4-6)

Fokus: Endpoint Security

Maßnahmen:

  1. MDM für alle Geräte
  2. EDR-Lösung implementieren
  3. Device Compliance Policies
  4. BYOD-Strategie definieren

Quick Wins:

  • Geräteverschlüsselung erzwingen
  • Antivirus-Status prüfen
  • OS-Updates erzwingen

Kosten (Beispiel, 100 Geräte):

  • Intune: ~600€/Monat
  • EDR: ~300-500€/Monat

Phase 3: Network Segmentation (Monat 7-9)

Fokus: Netzwerk-Isolierung

Maßnahmen:

  1. Kritische Systeme segmentieren
  2. SASE/Zero Trust Network Access
  3. Mikrosegmentierung für Server
  4. VPN durch ZTNA ersetzen

Quick Wins:

  • Admin-Netzwerk separieren
  • Gäste-WLAN isolieren
  • IoT-Geräte separieren

Kosten:

  • SASE-Lösung: ~1.000-3.000€/Monat
  • Netzwerk-Hardware: variiert

Phase 4: Application & Data (Monat 10-12)

Fokus: Anwendungs- und Datenschutz

Maßnahmen:

  1. CASB für SaaS-Übersicht
  2. Data Classification einführen
  3. DLP-Policies
  4. Legacy-Apps absichern

Quick Wins:

  • Shadow IT identifizieren
  • Sensible Daten klassifizieren
  • Sharing-Policies verschärfen

Typische Herausforderungen und Lösungen

Herausforderung 1: Legacy-Systeme

Problem: Alte Systeme unterstützen keine moderne Authentifizierung

Lösungen:

  • Application Proxies vorschalten
  • Jump Hosts für Admin-Zugriff
  • Mikrosegmentierung isolieren
  • Langfristig: Modernisieren oder ablösen

Herausforderung 2: User Experience

Problem: Ständige Authentifizierung nervt Mitarbeiter

Lösungen:

  • SSO für alle Anwendungen
  • Risiko-basierte Authentifizierung (mehr Prüfung nur bei Risiko)
  • Passwordless (FIDO2)
  • Transparente Device Trust

Herausforderung 3: Komplexität

Problem: Zu viele Tools, keine Integration

Lösungen:

  • Plattform-Ansatz (Microsoft, Google, etc.)
  • SIEM für zentrale Sicht
  • SOAR für Automatisierung
  • Managed Security Services

Herausforderung 4: Kosten

Problem: Alles auf einmal ist zu teuer

Lösungen:

  • Phasenweise Umsetzung
  • Quick Wins zuerst (MFA!)
  • Cloud-native Lösungen (keine Hardware)
  • Bestehende Lizenzen nutzen (oft mehr drin als genutzt)

Zero Trust mit Microsoft 365

Viele Mittelständler nutzen bereits Microsoft 365. Hier steckt viel Zero Trust drin:

Bereits enthalten (je nach Lizenz):

Microsoft 365 Business Premium:

  • Azure AD (inkl. MFA, Conditional Access Basics)
  • Intune (MDM)
  • Microsoft Defender for Business
  • Information Protection (Basis)

Microsoft 365 E3/E5:

  • Azure AD P1/P2
  • Advanced Conditional Access
  • Microsoft Defender for Endpoint
  • Cloud App Security (CASB)
  • DLP

Quick Start mit Microsoft 365

  1. Tag 1: MFA für alle aktivieren (Security Defaults oder Conditional Access)
  2. Woche 1: Conditional Access Policy: "Nur verwaltete Geräte"
  3. Woche 2: Intune Enrollment für alle Geräte
  4. Monat 1: Defender for Endpoint ausrollen
  5. Monat 2: Cloud App Security für Shadow IT

Messung des Erfolgs

KPIs für Zero Trust

KPIZielMessung
MFA Adoption100%Azure AD Reports
Compliant Devices>95%Intune Compliance
Phishing Click Rate<3%Simulation Results
Mean Time to Detect<24hSIEM
Unmanaged App Usage<5%CASB

Reifegradmodell

Level 1: Traditional

  • Perimeter-basiert
  • VPN für Remote
  • Keine MFA

Level 2: Initial

  • MFA für kritische Apps
  • Basis-MDM
  • Erste Segmentierung

Level 3: Advanced

  • Conditional Access
  • EDR auf allen Endpoints
  • SASE/ZTNA

Level 4: Optimal

  • Passwordless
  • Continuous Verification
  • Full Micro-Segmentation
  • Automated Response

Fazit

Zero Trust ist kein Produkt, das du kaufen kannst. Es ist eine Philosophie, die du schrittweise umsetzt.

Der wichtigste erste Schritt: MFA für alle, überall, ohne Ausnahme.

Von dort aus baust du Schicht für Schicht auf – immer mit dem Ziel, niemandem und nichts blind zu vertrauen.


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