Best Practices für die Prozessautomatisierung: Der komplette Leitfaden
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KI & Automatisierung

Best Practices für die Prozessautomatisierung: Der komplette Leitfaden

25. Januar 2025
12 min Lesezeit
Jonas Höttler

Best Practices für die Prozessautomatisierung: Der komplette Leitfaden

Prozessautomatisierung verspricht enorme Effizienzgewinne – doch die Realität sieht oft anders aus. Laut Gartner scheitern 30% aller Automatisierungsprojekte an vermeidbaren Fehlern. Die gute Nachricht: Mit den richtigen Best Practices können Sie diese Fallstricke umgehen und nachhaltige Erfolge erzielen.

Dieser Leitfaden zeigt Ihnen die 10 wichtigsten Best Practices, die erfolgreiche Unternehmen bei der Prozessautomatisierung anwenden.


Warum Best Practices entscheidend sind

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache:

KennzahlMit Best PracticesOhne Best Practices
Projekterfolgsrate85%55%
ROI im ersten Jahr200-300%50-100%
Mitarbeiterakzeptanz78%34%
Wartungsaufwand15% des Budgets40% des Budgets
Skalierungsgeschwindigkeit3x schnellerBaseline

Quelle: Forrester Research, 2024

Der Unterschied zwischen erfolgreichen und gescheiterten Projekten liegt selten an der Technologie – sondern an der Herangehensweise.


Die 10 wichtigsten Best Practices

#1: Klein anfangen, schnell skalieren

Das Prinzip: Starten Sie mit einem überschaubaren Pilotprojekt, beweisen Sie den Wert, und skalieren Sie dann systematisch.

Warum es funktioniert:

  • Geringeres Risiko bei der ersten Implementierung
  • Schnelle Lernerfolge für das Team
  • Einfachere Stakeholder-Überzeugung durch frühe Erfolge
  • Aufbau von internem Know-how

So setzen Sie es um:

  1. Wählen Sie einen "Quick Win" Prozess:

    • Häufig ausgeführt (mindestens wöchentlich)
    • Klare Regeln und wenige Ausnahmen
    • Überschaubarer Umfang (max. 10 Schritte)
    • Messbarer Output
  2. Definieren Sie klare Erfolgskriterien:

    • Zeitersparnis in Stunden pro Woche
    • Fehlerreduktion in Prozent
    • Durchlaufzeitverkürzung
  3. Planen Sie die Skalierung von Anfang an:

    • Dokumentieren Sie alles
    • Wählen Sie skalierbare Technologie
    • Bauen Sie wiederverwendbare Komponenten

Praxis-Beispiel: Ein mittelständisches Unternehmen startete mit der Automatisierung von Urlaubsanträgen. Nach 6 Wochen Pilotphase und 70% Zeitersparnis hatte das Projekt genug Momentum für die Ausweitung auf weitere HR-Prozesse.


#2: Prozesse vor Automatisierung optimieren

Das Prinzip: Automatisieren Sie keinen schlechten Prozess. Ein ineffizienter Prozess wird durch Automatisierung nur schneller ineffizient.

Die Realität:

"A bad process automated is just a faster bad process." – Bill Gates

So setzen Sie es um:

  1. Analysieren Sie den Ist-Zustand:

    • Zeichnen Sie den Prozess auf (Flowchart)
    • Identifizieren Sie Wartezeiten und Engpässe
    • Finden Sie Doppelarbeit und Medienbrüche
  2. Wenden Sie das ECRS-Prinzip an:

    • Eliminieren: Welche Schritte sind unnötig?
    • Combinieren: Was kann zusammengelegt werden?
    • Rearrangieren: Ist die Reihenfolge optimal?
    • Simplizieren: Was kann vereinfacht werden?
  3. Erst dann automatisieren:

    • Optimierter Prozess als Basis
    • Klare Schnittstellen definiert
    • Ausnahmen dokumentiert

Tool-Tipp: Nutzen Sie unseren Prozesskosten-Analyzer, um versteckte Ineffizienzen zu finden.


#3: Mitarbeiter von Anfang an einbinden

Das Prinzip: Die Menschen, die den Prozess täglich ausführen, wissen am besten, wo die Probleme liegen – und müssen später mit der Lösung arbeiten.

Warum es funktioniert:

  • Bessere Prozesskenntnis führt zu besseren Lösungen
  • Frühe Einbindung reduziert Widerstand
  • Mitarbeiter werden zu Botschaftern des Projekts
  • Wertvolles Feedback in der Entwicklungsphase

So setzen Sie es um:

  1. Identifizieren Sie die richtigen Stakeholder:

    • Prozessausführende (täglich im Prozess)
    • Prozessverantwortliche (fachlich zuständig)
    • IT-Vertreter (technisch zuständig)
    • Management (Budget und Priorisierung)
  2. Kommunizieren Sie transparent:

    • Was ist das Ziel?
    • Was ändert sich für wen?
    • Welche Vorteile entstehen?
    • Wie sieht der Zeitplan aus?
  3. Schaffen Sie Beteiligungsmöglichkeiten:

    • Workshops zur Prozessaufnahme
    • Feedback-Runden bei Prototypen
    • Testphasen mit echten Nutzern
    • Retrospektiven nach Go-Live

Warnung: Automatisierung sollte Mitarbeiter entlasten, nicht ersetzen. Kommunizieren Sie klar, dass es um die Eliminierung langweiliger Routinearbeit geht – nicht um Stellenabbau.


#4: ROI vor Implementierung berechnen

Das Prinzip: Jedes Automatisierungsprojekt muss sich rechnen. Berechnen Sie den Return on Investment, bevor Sie investieren.

Die ROI-Formel für Automatisierung:

ROI = (Jährliche Einsparungen - Jährliche Kosten) / Investition × 100

Jährliche Einsparungen =
  (Zeitersparnis × Stundensatz × 52 Wochen) +
  (Fehlerreduktion × Fehlerkosten) +
  (Weitere Einsparungen)

Jährliche Kosten =
  Lizenzkosten +
  Wartungsaufwand (15-20% der Investition) +
  Support-Aufwand

Beispielrechnung:

PositionBerechnungWert
Zeitersparnis10h/Woche × 50€ × 5226.000€
Fehlerreduktion50 Fehler × 200€10.000€
Jährliche Einsparung36.000€
InvestitionImplementierung15.000€
Jährliche KostenLizenzen + Wartung5.000€
ROI Jahr 1(36.000 - 5.000) / 15.000207%
Amortisation15.000 / (36.000 - 5.000) × 125,8 Monate

Interaktives Tool: Berechnen Sie Ihren ROI mit unserem Automatisierungs-ROI-Rechner.


#5: Die richtigen Prozesse auswählen

Das Prinzip: Nicht jeder Prozess eignet sich für Automatisierung. Fokussieren Sie auf Prozesse mit dem besten Kosten-Nutzen-Verhältnis.

Ideale Kandidaten für Automatisierung:

KriteriumIdealWeniger geeignet
HäufigkeitTäglich/WöchentlichJährlich
RegelbasierungKlare Wenn-Dann-LogikViele Ausnahmen
DatenverfügbarkeitDigital und strukturiertPapier, unstrukturiert
StabilitätProzess ändert sich seltenHäufige Änderungen
VolumenHohe StückzahlenEinzelfälle

Das Scoring-Modell:

Bewerten Sie jeden Prozess von 1-5:

  1. Frequenz (1 = jährlich, 5 = stündlich)
  2. Regelbasierung (1 = viele Ausnahmen, 5 = klare Regeln)
  3. Digitalisierungsgrad (1 = Papier, 5 = voll digital)
  4. Fehleranfälligkeit (1 = < 1%, 5 = > 10%)
  5. Zeitaufwand (1 = < 10 Min/Monat, 5 = > 20 Std/Monat)

Interpretation:

  • Score 20-25: Sofort automatisieren
  • Score 15-19: Guter Kandidat
  • Score 10-14: ROI genau prüfen
  • Score < 10: Wahrscheinlich nicht lohnend

Systematische Bewertung: Unser Automatisierungs-Potenzial-Check führt Sie durch alle Kriterien.


#6: Dokumentation nicht vergessen

Das Prinzip: Was nicht dokumentiert ist, existiert nicht. Umfassende Dokumentation sichert Wissen und ermöglicht Skalierung.

Was dokumentiert werden sollte:

  1. Prozessdokumentation:

    • Detaillierter Ablauf des automatisierten Prozesses
    • Alle Ausnahmen und Edge Cases
    • Beteiligte Systeme und Schnittstellen
  2. Technische Dokumentation:

    • Architektur der Lösung
    • Konfigurationsparameter
    • Abhängigkeiten und Versionen
  3. Betriebsdokumentation:

    • Monitoring und Alerting
    • Fehlerbehandlung
    • Eskalationswege
  4. Anwenderdokumentation:

    • Wie starte ich den Prozess?
    • Was mache ich bei Fehlern?
    • Wen kontaktiere ich bei Problemen?

Best Practice: Dokumentieren Sie während der Entwicklung, nicht danach. Nutzen Sie Screenshots, Videos und Schritt-für-Schritt-Anleitungen.


#7: Error Handling einplanen

Das Prinzip: Fehler werden passieren. Planen Sie von Anfang an, wie die Automatisierung mit Fehlern umgehen soll.

Die drei Säulen des Error Handlings:

1. Prävention:

  • Eingabedaten validieren
  • Vorbedingungen prüfen
  • Timeouts setzen

2. Erkennung:

  • Logging aller Aktivitäten
  • Monitoring von KPIs
  • Alerting bei Abweichungen

3. Reaktion:

  • Automatische Wiederholung bei temporären Fehlern
  • Fallback auf manuelle Bearbeitung
  • Eskalation bei kritischen Fehlern

Error-Handling-Checkliste:

  • Was passiert, wenn ein System nicht erreichbar ist?
  • Was passiert bei ungültigen Eingabedaten?
  • Was passiert bei Timeouts?
  • Wer wird bei Fehlern informiert?
  • Wie werden fehlgeschlagene Fälle nachbearbeitet?
  • Gibt es einen "Kill Switch" für Notfälle?

#8: Wartung einkalkulieren

Das Prinzip: Automatisierung ist keine "Set it and forget it" Lösung. Planen Sie Zeit und Budget für laufende Wartung ein.

Typische Wartungsaufgaben:

AufgabeHäufigkeitAufwand
Monitoring prüfenTäglich10 Min
Fehlerfälle bearbeitenWöchentlich1-2 Std
Updates/PatchesMonatlich2-4 Std
Systemänderungen nachziehenBei BedarfVariabel
Performance-OptimierungQuartalsweise4-8 Std
Dokumentation aktualisierenBei Änderungen1-2 Std

Faustregel für Budgetplanung:

  • Jahr 1: 20% der Implementierungskosten
  • Jahr 2+: 15% der Implementierungskosten

Wartungsvertrag oder Inhouse?

FaktorInhouseExterner Dienstleister
Know-howAufbau nötigSofort verfügbar
ReaktionszeitSchnellAbhängig vom SLA
KostenPersonalkostenVertragspauschale
FlexibilitätHochMittel

#9: Change Management beachten

Das Prinzip: Technologie ist nur die halbe Miete. Ohne aktives Change Management scheitern selbst die besten Automatisierungen.

Die 4 Phasen des Change Managements:

Phase 1: Awareness (Bewusstsein schaffen)

  • Warum automatisieren wir?
  • Was ändert sich?
  • Was bleibt gleich?

Phase 2: Desire (Wollen erzeugen)

  • Was habe ich davon?
  • Welche Vorteile entstehen?
  • Welche Bedenken gibt es?

Phase 3: Knowledge (Wissen vermitteln)

  • Wie funktioniert das neue System?
  • Was muss ich anders machen?
  • Wo bekomme ich Hilfe?

Phase 4: Ability (Fähigkeiten aufbauen)

  • Hands-on Training
  • Begleitete erste Anwendung
  • Support in der Anfangsphase

Widerstand überwinden:

WiderstandsgrundLösungsansatz
"Das funktioniert nie"Pilotprojekt mit Quick Win
"Das nimmt mir den Job weg"Klare Kommunikation: Entlastung, nicht Ersatz
"Das ist zu kompliziert"Einfache Benutzeroberfläche, gute Schulung
"So haben wir das immer gemacht"Vorteile konkret aufzeigen, Mitarbeiter einbinden

#10: Kontinuierliche Verbesserung etablieren

Das Prinzip: Die erste Version ist nie die beste. Etablieren Sie einen Prozess für kontinuierliche Verbesserung.

Der PDCA-Zyklus für Automatisierung:

  1. Plan: Verbesserung identifizieren und planen
  2. Do: Verbesserung implementieren (Test)
  3. Check: Ergebnisse messen und bewerten
  4. Act: Bei Erfolg ausrollen, sonst anpassen

KPIs für kontinuierliche Verbesserung:

KPIMessungZiel
AutomatisierungsgradAutomatisierte vs. manuelle Fälle> 80%
FehlerquoteFehlgeschlagene Durchläufe< 2%
DurchlaufzeitZeit pro automatisiertem FallKontinuierlich reduzieren
NutzerzufriedenheitRegelmäßige Befragung> 4/5 Sterne
ROIJährliche Neuberechnung> 150%

Review-Rhythmus:

  • Wöchentlich: Kurzer Check der Monitoring-Daten
  • Monatlich: Review der KPIs, kleine Anpassungen
  • Quartalsweise: Größere Optimierungen, neue Features
  • Jährlich: Strategische Bewertung, Skalierungsplanung

Häufige Fehler vermeiden

Fehler 1: Zu viel auf einmal

Problem: Alle Prozesse gleichzeitig automatisieren wollen.

Lösung: Priorisieren Sie konsequent. Ein erfolgreiches Projekt ist mehr wert als fünf halbfertige.

Fehler 2: Die falsche Technologie wählen

Problem: Das teuerste oder trendigste Tool kaufen, ohne die Anforderungen zu prüfen.

Lösung: Definieren Sie zuerst Ihre Anforderungen, dann vergleichen Sie Tools. Nutzen Sie unseren Make vs Zapier vs n8n Vergleich.

Fehler 3: Shadow IT tolerieren

Problem: Einzelne Abteilungen automatisieren ohne Abstimmung.

Lösung: Etablieren Sie ein Automation Center of Excellence (CoE) als zentrale Anlaufstelle.

Fehler 4: Ausnahmen ignorieren

Problem: Nur den "Happy Path" automatisieren und Sonderfälle ignorieren.

Lösung: Dokumentieren Sie alle Ausnahmen und definieren Sie, wie damit umgegangen wird.

Fehler 5: Keine Erfolgsmessung

Problem: Automatisierung einführen ohne zu messen, ob sie funktioniert.

Lösung: Definieren Sie KPIs vor dem Start und messen Sie regelmäßig.


Tools und Ressourcen

Empfohlene Automatisierungstools

Für einfache Workflows:

  • Zapier (viele Integrationen, einfach)
  • Make (visuell, gutes Preis-Leistungs-Verhältnis)

Für komplexe Anforderungen:

  • n8n (Open Source, Self-Hosted)
  • Microsoft Power Automate (Microsoft-Umgebungen)

Für Enterprise RPA:

  • UiPath (Marktführer)
  • Automation Anywhere (Cloud-native)

Weiterführende Artikel


Fazit: Der Unterschied liegt in der Umsetzung

Die Technologie für Prozessautomatisierung ist heute so zugänglich wie nie. Der Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg liegt nicht im Tool – sondern in der Herangehensweise.

Die wichtigsten Takeaways:

  1. Klein starten, groß denken: Pilotprojekt first, Skalierung second
  2. Menschen mitnehmen: Ohne Akzeptanz kein nachhaltiger Erfolg
  3. Prozesse erst optimieren: Automatisierung macht schlechte Prozesse nur schneller schlecht
  4. ROI berechnen: Jedes Projekt muss sich rechnen
  5. Kontinuierlich verbessern: Die erste Version ist nie die beste

Bereit für den Start? Unser AI Adoption Audit hilft Ihnen, die richtigen Automatisierungsprojekte zu identifizieren und erfolgreich umzusetzen.

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