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Gedanken
Längere Gedanken, die in keine Kategorie passen. Technik, Arbeit und die Muster dahinter.
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Wachsam, aber blind: Sachsen-Anhalt und die Schlafwandler
44 Prozent waren keine Überraschung. Die Kurve läuft seit fünf Jahren öffentlich nach oben, zweimal unterbrochen von einer Pause, die alle für einen Deckel gehalten haben. Christopher Clark hat beschrieben, wie ein System sehenden Auges in die Katastrophe läuft. Sein Buch handelt von 1914 und liest sich wie das Protokoll dieses Wahlabends.
76 Prozent sind keine Antwort
Eine Prognose schuldet dir nicht die Zukunft. Sie schuldet dir die Aufteilung ihrer eigenen Unwissenheit: Was die Welt würfelt, kannst du nur bepreisen. Was du nicht weißt, kannst du messen. Ich habe eine Maschine gebaut, die beides trennt, und hier ist, was dabei herauskommt.
Nachdenken sieht aus wie Nichtstun
Seit ich selbständig bin, ist der wertvollste Tag im Monat der, an dem ich nicht erreichbar bin. In der Anstellung wäre er nie genehmigt worden, und zwar aus einem vernünftigen Grund: Von außen ist Nachdenken nicht von Nichtstun zu unterscheiden. Warum Organisationen genau die Arbeit wegoptimieren, die entscheidet, ob die andere Arbeit etwas wert ist, warum Erreichbarkeit ein Dienst an fremden Prioritäten ist, und was einen Tag ohne Empfang überlebt.
Charakter ist ein Risiko, und wir haben es wegversichert
In Politik und Vorständen sitzen Leute, die klingen, als kämen sie aus derselben Charge. Die bequeme Erklärung lautet: Die Menschen sind feiger geworden. Die richtige ist kälter. Nicht der Mittelwert ist gefallen, die Ränder wurden abgeschnitten, und zwar von zwölf vernünftigen Instanzen mit Vetorecht. Über Anpassung, den neuen Barock und warum niemanden mehr interessiert, was nicht direkt um ihn herum passiert.
Es war noch nie so billig, sich zu irren
Alle reden davon, dass Bauen billig geworden ist. Das ist die langweilige Hälfte. Interessant ist die andere: Falschliegen kostet fast nichts mehr. Warum das die beste Zeit zum Gründen ist, warum Verantwortung sich leichter anfühlt als gedacht, und warum das Geschwätz auf LinkedIn viel weniger bringt als eine einzige Empfehlung.
Die Enttäuschung war eingepreist
Tausende Betriebe haben teure Workflows gekauft, die nach neun Monaten kippten. Jetzt sagen sie, die Technik bringt nichts. Beides war absehbar, und beides sagt mehr über den Markt von 2024 als über diese Betriebe. Warum der Frust kein Ergebnis ist, sondern ein Termin.
Die Sonne ist ein leeres Blatt, und Platon hatte trotzdem recht
Wir sehen nie das Ding, immer nur seinen Schatten. Modelle, Daten, Renderings. Platons Höhle sagt: raus da, hoch zur Sonne. Aber der Aufstieg befreit dich nicht von den Schatten. Er gibt dir ein besseres Feuer. Erkenntnis heißt nicht, die Höhle zu verlassen. Erkenntnis heißt, schärfere, wiederholbare Schatten zu werfen. Und das Ding ganz ohne Schatten, die Sonne selbst? Ein leeres Blatt.
Warum jeder Ort gleich aussieht, und warum das kein Designfehler ist
Weiß, helle Eiche, runde Ecken, Pflanze. Der Apple Store, das Coworking, der Zahnarzt, deine Landingpage. Die naheliegende Erklärung, Designer seien faul geworden, ist falsch. Die richtige ist unangenehmer: Optimierung ist eine Schönheitsmaschine. Sie kann nur nicht sehen, was sie nicht messen kann.
„Die Welt hat sich verändert“ ist keine Diagnose. Es ist ein Verhandlungszug.
VW halbiert die Modellpalette, der Betriebsrat spricht von Respektlosigkeit. Die bequeme Lesart lautet: Da will jemand nicht wahrhaben, dass sich die Welt verändert. Sie ist falsch. Und zwar auf eine Weise, die mehr über uns verrät als über Wolfsburg.
Technologie wiederholt sich nicht. Unsere Erzählungen schon.
Jede technologische Revolution überzeugt uns, dass wir diesmal endlich verstehen, warum Gewinner gewinnen. Fast nie bemerken wir, dass die Erklärung erst nach dem Gewinner eintrifft.
Deutschland verliert gegen Paraguay. Unser Gehirn gewinnt eine Geschichte.
Ein verschossener Elfmeter wird binnen Minuten zur Diagnose eines ganzen Landes. Das Faszinierende ist nicht, ob die Diagnose stimmt — sondern wie mühelos unser Kopf aus einem einzelnen Ereignis eine geschlossene Welterklärung baut. Über den Unterschied zwischen einer guten Geschichte und einer guten Erklärung.
Warum wir uns Geschichten erzählen: Was Manager, KI und der menschliche Geist gemeinsam haben
Ein CEO, ein Sprachmodell und dein Morgenkaffee erklären ihre Wahl flüssig — und in allen drei Fällen verfehlt die Erklärung womöglich, wie die Entscheidung wirklich fiel.
Erklären ist leicht, Vorhersagen ist hart: Ich habe die berühmten Wirtschafts-Zusammenhänge nachgerechnet
Experten erklären jeden Kurssturz rückblickend lückenlos — und sagen den nächsten trotzdem nicht vorher. Ich habe über ein Dutzend berühmte ökonomische Zusammenhänge ehrlich out-of-sample getestet. Fast keiner überlebt.
Warum KI gerade nicht spannend ist — die Rechnung kommt erst noch
Eine Haltung: Wir bewerten KI zu Demo-Preisen, nicht zu echten Preisen. Solange die Kosten nicht beim Kunden ankommen, sehen wir nicht, welche Anwendungen wirklich tragen.